Vierundvierzig

Ich war immer sehr stolz auf meine kognitiven Fähigkeiten. In der Schule – und auch privat – stets aufmerksam (wobei meine Eltern die Eigenschaft wohl eher als „neugierig“ beschreiben würden), tat ich mir leicht beim Lernen und konnte im Laufe der Jahre auf eine solide Basis an Wissen zurückgreifen. Interessanterweise tat ich mir immer leichter, mich an gelesene, erlernte Dinge (Bücher, Unterricht) zu erinnern; nicht so sehr jene, die ich erlebte (Urlaube, Weihnachten, Geburtstage). Ich weiß beispielsweise immer noch unsere Festnetznummer von zu Hause, die wir bereits seit den frühen 1990er Jahren nicht mehr haben; an meine Geburtstage aus dieser Zeit kann ich mich dafür fast gar nicht erinnern.

Eine gute Portion Kreativität und Fantasie kam im Laufe der Zeit auch dazu, wobei ich meine „Fähigkeit“ zu schreiben wieder eher den erlernten Dingen zuordne – rein technisch betrachtet so Notwendigkeiten wie Wortschatz, Grammatik und Rechtschreibung. Die Möglichkeit, meine Geschichten niederzuschreiben, basieren mittlerweile nicht so sehr auf Fantasie, sondern vielmehr auf Selbsterkenntnis und Empathie. Gedanken und Gefühle so beschreiben zu können, wie sie mir selbst widerfahren sind, bzw. sich in andere Menschen hineinzuversetzen und deren Anschauungen darzulegen, das ist meine neue Art der Kreativität, die ich mit Hilfe dieses Blogs ausleben möchte.

Bedingt durch eine depressive Episode im Jahr 2020 haben meine Konzentrationsfähigkeit und mein Erinnerungsvermögen stark gelitten. Ich arbeite immer noch daran, diese Fähigkeiten wieder auf ein Niveau zu bringen, das ich akzeptieren kann. Was mir jedoch geblieben ist, ist die Fähigkeit, Muster in Zahlen zu  erkennen. Ich rede dann immer vom „Monk in mir“, dem so etwas auffällt. Eine Zahl, die mir seit langer Zeit immer wieder unterkommt, ist die Ziffer 4. Es fängt damit an, dass die Quersumme meines Geburtstages die 4 ist (ich habe am 5.8. Geburtstag → 5+8=13 → 1+3=4). Mein Geburtsmonat (und auch der meiner Mutter) August ist der 8. Monat im Jahr. Die Ziffer 8 ist die Quersumme meines aktuellen Alters: 4+4=8. Mein Vater hat an einem 4. des Monats Geburtstag, mein Neffe an einem 14. (und auch noch im April). Meine Nichte kam auf die Welt, als ich 40 wurde, und ist demnach heuer auch 4 geworden. Meine Schwägerin hat im April Geburtstag – dem 4. Monat des Jahres. Genauso wie zwei liebe Menschen, die sich das Leben genommen haben.

Ich bin kein Verfechter von Astrologie oder Numerologie, blinzle mit einem Schmunzeln auf mein Horoskop und habe keine Angst, wenn mir an einem Freitag, den 13. eine schwarze Katze über den Weg läuft. Mir fallen solche Zahlenspielchen einfach auf. Und wie viel Macht diese Lehren im Leben eines Menschen haben, entscheidet jeder für sich. Genauso, wie es auch an jedem Selbst liegt, einer Religion oder politischen Partei zu folgen.

Nun bin ich vor ein paar Tagen 44 Jahre alt geworden. Also zwei Mal die Ziffer 4 – das hat mich irgendwie fasziniert, und ich begann zu recherchieren. Und ich muss sagen, dass sich meine aktuelle Lebenssituation in vielen Beschreibungen und Texten widergespiegelt hat.

Ich habe zB in den letzten zwei Jahren gelernt, auf mein Bauchgefühl und Innerstes zu hören, um dann eine Entscheidung für mich zu treffen. Das bedeutet, dass ich in diesem Bezug viel mehr Selbstvertrauen habe als früher. Dass Entscheidungen in meinem Leben nur von mir selbst kommen können, und nicht von Anderen. Keine externe Bestätigung von Freunden, Familie oder sogar Fremden, sondern die wahre Bestätigung aus dem Innersten. Diese persönliche Freiheit erlebe ich als wärmende Energiequelle, die ich nicht mehr missen möchte. Mein Leben, meine Entscheidung – und auch die Klarheit, mit den Konsequenzen zu leben.

Abschließen und Loslassen ist ein weiterer Punkt, der mich stark beschäftigt hat und den ich bewusst erlernen musste. An Vergangenem festhalten hinderte mich daran, in der Gegenwart zu leben und zu sein, wer ich sein wollte. Man muss Dinge loslassen, um im Leben zu wachsen. Ich habe die Vergangenheit mit Dankbarkeit und ohne Reue für das, was sie mir gegeben hat, losgelassen, und gehe jetzt meinen Weg in eine neue Zukunft.

Eine Erkenntnis über mich selbst ist außerdem, dass ich stärker bin, als ich es viele Jahre lang geglaubt habe. Ich konnte eigene Unsicherheiten und Ängste überwinden und erkennen, wie weit im Leben ich schon gekommen war – und zu wie viel mehr ich noch fähig bin. Das Leben ist Veränderung – das ist unvermeidlich. Aber mit jeder Veränderung lernen und wachsen wir. Und trotz aller Veränderungen fühle ich mich aktuell ruhig und stabil in dieser Phase meines Lebens.

Diese ganze Recherche rund um die Zahl 44 ist die – für mich – positive Erkenntnis, dass die Zahlensymbolik meine aktuelle Lebenseinstellung bestätigt. Auf Intuition und innere Weisheit zu achten, an sich selbst glauben. Die Vergangenheit loslassen und die Gegenwart umarmen, und sich schwierigen Lebenssituationen stellen. Die Ziffer 8 wird mit persönlicher Freiheit in Verbindung gebracht. Beständigkeit und Gleichgewicht werden mit dem Unendlichkeitssymbol – einer liegenden 8 – dargestellt.

Schlussendlich ist es auch egal, ob ein Gott, ein Engel, ein Stern oder eine Zahl genau das symbolisiert, wonach man sucht. Es ist nur ein Symbol. Die Entscheidung zu treffen, obliegt jedem Einzelnen von uns – allein. Niemand anders ist für unsere Entscheidungen verantwortlich, außer wir selbst. All meine Entscheidungen, all meine Emotionen der letzten beiden Jahre habe ich selbst bewusst getroffen und gefühlt – ohne vorher die Zahlen zu befragen.

Ich kann für mich sagen, dass ich keine Entscheidung bereue. Sie waren wichtig, und richtig – für mich. Auch wenn sie schmerzhaft waren und ich meinen Emotionen oft ausgeliefert war, habe ich doch viel über mich gelernt. 

Und ich bin noch nicht am Ende dieser Reise angelangt. Es gibt noch so viel mehr, dass ich über diese alte, neue Petra herausfinden und lernen kann. Auf die nächsten 44 Jahre!

Verfasst im August 2022

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